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Weiterbildung mit 40, 50 oder später. Warum Lernen keine Altersgrenze hat

vor 6 Tagen
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

«The beautiful thing about learning is nobody can take it away from you.»

B.B. King


In diesem Artikel erfährst du:


  1. Warum Weiterbildung auch mit 40, 50 oder später sinnvoll sein kann.

  2. Wie Lernen auch ausserhalb von klassischen Lehrgängen stattfindet.

  3. Was Neugier mit beruflicher Handlungsfähigkeit zu tun hat.

  4. Warum Weiterbildung nicht immer einen sofort sichtbaren Nutzen haben muss.


"Du hast doch schon genug Weiterbildungen." - Diesen Satz habe ich in letzter Zeit mehr als einmal gehört. Darum erzähle ich meinen engsten Verwandten nun schon gar nicht mehr davon. Aber auch im Job finden das einige komisch. "Es reicht doch völlig, was wir können. Wenn die Firma was will, muss sie schon ausdrücklich Schulungen dazu anbieten."


Fair enough. Und trotzdem: Ich erlebe immer wieder, dass Menschen, die sich aus eigenem Antrieb weiterbilden und für Neues interessieren, sich dafür fast rechtfertigen müssen, so dass sie es am liebsten nicht mal mehr erwähnen. Das finde ich schade. Für das Team, aber auch für die Firma.


Nevertheless... Eine Frage ist interessant:

Gibt es irgendwann einen Punkt, an dem wir genug gelernt haben?


Für mich war Lernen nie etwas, das irgendwann abgeschlossen ist.

Nach meiner ersten Ausbildung kamen weitere Aus- und Weiterbildungen, neue berufliche Rollen und Themen dazu, in die ich mich vertiefen wollte.

Oft ganz einfach, weil mich etwas interessiert.

Weil ich Zusammenhänge besser verstehen möchte.

Weil sich mein Leben verändert.

Und weil sich auch die Arbeitswelt laufend verändert.



Nachdenkliche Frau am Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch in hellem, grün dekoriertem Wohnzimmer.

Sich mit der eigenen beruflichen Zukunft beschäftigen - Bild ist KI-generiert als Experiment


Weiterbildung ist viel mehr als ein Zertifikat

Wenn wir von Weiterbildung sprechen, denken viele zuerst an ein CAS, einen MAS oder einen anderen formalen Abschluss.


Das ist ein Teil davon. Lernen passiert aber an vielen Orten.

Bei mir zum Beispiel durch das Lesen von Fachbüchern, Hören von Podcasts, Austausch beim Kaffee, Communities, kurzen Kursen, E-Learnings, You Tube-Tutorials, Workshops, Coachings oder neue Aufgaben im Arbeitsalltag einfach ausprobieren (learning on the job).


Auch ein Projekt, bei dem ich zuerst wenig Ahnung habe, kann eine intensive Weiterbildung sein. So habe ich z. B. mit drei weiteren Bildungsfachleuten in rund sieben Monaten viel zu Virtual Reality in der Aus- und Weiterbildung recherchiert, mich mit Fachexperten ausgetauscht und VR selbst erproben dürfen, um dann mit unserer Gruppe eine Entscheidungshilfe für Bildungsbeauftragte zu erstellen, bei welchen Use Cases sie VR fürs Lernen nützlich einbringen. Am Anfang: Keine Ahnung, nur paar Mal Adventure Games gespielt gehabt. Nun kann ich Use Cases fürs Einüben von Prozessen, Notfallübungen und vieles mehr erkennen und Empfehlungen abgeben.


Manchmal lerne ich besonders viel, wenn ich etwas praktisch ausprobiere und merke, was funktioniert und was nicht,  aktuell zum Beispiel beim Bauen von KI-Bots und Copilot-Agenten, die "meine" Endanwendende beim Wissensaufbau zu neuen Tools und Prozessen in einem grossen IT-Transformationsprogramm unterstützen.


Immer wieder lerne ich auch von meinen Kindern. Sie nutzten Gemini NotebookLM und ChatGPT schon viel länger als ich als Coach und Sparring-Partner, z. B. für die gezielte Prüfungsvorbereitung. "Sei mein Lerncoach zu..." als Prompt und alle Dateien anhängen, die man zum Thema hat, lernte ich von ihnen.


Nicht alles braucht ein Zertifikat.

Nicht alles muss später im Lebenslauf stehen.

Neugier reicht als Grund manchmal völlig aus.


Vier lächelnde Erwachsene in einem Raum halten VR-Headsets; eine Frau zeigt eine Prosecco-Flasche, locker-freudige Stimmung.

Unsere Arbeitsgruppe "virtuelle Lernwelten" im CAS Innovation und Transformation in der Bildung gestalten vom IAP der ZHAW - Experten aus Qualitätsmanagement, Change & Enablement, Gesundheitswesen und Schule finden zueinander und gestalten gemeinsam Nützliches für Bildungsmanager und BudgetentscheiderInnen


Mit Erfahrung lernt man anders

Mit zunehmendem Alter bringen wir viel mit.

Berufserfahrung. Lebenserfahrung. Erfolge. Fehler. Situationen, die wir schon einmal erlebt haben.

Dieses Wissen ist wertvoll.

Ich merke gleichzeitig, dass ich heute anders lerne als mit 20 oder 30.

Neue Inhalte treffen auf Erfahrungen, die bereits da sind.

Ich kann Dinge miteinander verbinden.

Ich erkenne schneller, wo ein Konzept in der Praxis funktioniert.

Ich kann neue Ideen mit Situationen vergleichen, die ich selbst erlebt habe.

Manchmal verstehe ich heute etwas ganz anders als vor zehn Jahren.

Genau das finde ich interessant.

Lernen wird dadurch nicht weniger spannend.

Für mich wird es eher noch spannender.


"Was bringt dir diese Weiterbildung?"

Auch diese Frage höre ich regelmässig.

Natürlich ist sie berechtigt.

Weiterbildung kostet Zeit. Oft kostet sie Geld. Sie beansprucht Energie.

Es lohnt sich deshalb, sich zu fragen:

Was möchte ich daraus mitnehmen?


Vielleicht geht es um eine neue Aufgabe.

Vielleicht möchte jemand seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.

Vielleicht steht ein Rollenwechsel an.

Vielleicht geht es um ein Thema, das gerade beruflich wichtig wird.

Und manchmal interessiert mich etwas einfach.

Auch das finde ich legitim.

Nicht jede Weiterbildung zeigt ihren Nutzen sofort.

Manches Wissen wird erst später relevant.


Manchmal begegnet einem Monate oder Jahre später eine Situation und plötzlich merkt man: Genau dafür war dieses Wissen hilfreich.


Wanderin mit Rucksack auf felsigem Gipfelgrat bei Sonnenaufgang, blickt über wolkiges Alpenpanorama und schneebedeckte Berge.
Neue Perspektiven eröffnen sich - Bild ist ebenfalls KI-generiert zum weiter testen

Lernen und Employability

Unsere Arbeitswelt verändert sich schnell.

KI übernimmt Aufgaben, die wir vor wenigen Jahren noch selbst erledigt haben.

Unternehmen reorganisieren sich.

Rollen verändern sich.

Neue Berufsbilder entstehen.

Niemand weiss genau, wie unser Arbeitsalltag in fünf oder zehn Jahren aussehen wird.

Ich finde es deshalb wichtig, lernfähig zu bleiben.

Für mich gehört das ganz klar zur Employability, der Arbeitsmarktfähigkeit.

Es geht nicht nur darum, welche Ausbildung jemand abgeschlossen hat oder wie viele Jahre Berufserfahrung im CV stehen.


Spannend finde ich auch Fragen wie:

Kann ich mich auf neue Situationen einstellen?

Traue ich mir zu, etwas zu lernen, das ich heute noch nicht kann?

Bin ich bereit, mich wieder einmal in ein Thema einzuarbeiten, bei dem ich am Anfang stehe?


Natürlich, je nach Lebensphase hat man schon genug Neues zu bewältigen, z. B. Care Aufgaben, doch auch das zählt dann als Lernen (on the job), zumindest für mich, denn hey, wo hätte ich je mehr gelernt als als ich ungewollt Alleinerziehend wurde und plötzlich ein Baby ganz allein zu versorgen hatte!


Heute ist sie 18 und ich darf sagen: Es ist gut gekommen, auch wenn es ganz anders geplant war.


Junge grüne Keimlinge wachsen aus dunkler Erde vor unscharfem grünem Hintergrund.
Glaub an dich - es lohnt sich

Lernen stärkt meine Selbstwirksamkeit

Ein weiterer Punkt, vielleicht fast der Wichtigste, ist wirklich spürbar im persönlichen Wohlbefinden: Selbstwirksamkeit.

Viele Veränderungen können wir nicht beeinflussen. Wir entscheiden nicht, wie schnell sich KI entwickelt. Wir bestimmen selten mit bei einer Reorganisation. Wir wissen auch nicht genau, welche Kompetenzen in zehn Jahren besonders gefragt sein werden oder ob wir noch gesund sind.


Was wir aber beeinflussen können, auch du:

Wie wir mit Unsicherheit und Veränderungen umgehen.


Ich kann neugierig bleiben.

Ich kann mich mit neuen Themen beschäftigen.

Ich kann mich austauschen.

Ich kann Dinge ausprobieren.

Ich kann mein Wissen erweitern.


Das gibt mir das Gefühl, handlungsfähig zu bleiben und dieser Welt nicht einfach ausgeliefert zu sein.


Und genau das ist für mich ein wichtiger Teil von Weiterbildung, aka lebenslangem Lernen: Mitgestalten, statt über sich verwalten zu lassen.


Shirzad Chamine, Gründer von Positive Intelligence und mein Coaching-Ausbilder für Mental Fitness würde dazu sagen: "You can't change the wind and you can't change the waves, but you can learn to be a great surfer." (siehe auch meine Blog-Beiträge zu Circle of influence und Mental Fitness.)


Weiterbildung braucht Zeit und Energie

Natürlich hat formale Weiterbildung auch seine Grenzen.

Wer arbeitet, Kinder hat, Angehörige betreut oder bereits einen vollen Alltag hat, verfügt nicht über unbegrenzt Zeit. Das kenne ich gut.

Es gibt Phasen, in denen eine grössere Weiterbildung gut hineinpasst.

In anderen Phasen reicht ein Buch, ein kurzer Kurs oder ein einzelner Weiterbildungstag. Oder auch "nur" ein Austausch auf dem Spielplatz. Du bestimmst die Lernorte und Möglichkeiten.


Manchmal tut auch eine bewusste Pause gut. Auf sich hören, priorisieren, fokussieren. Auch das zu lernen fällt für mich heute unter Weiterbildung. Mental Fitness Training hat mir da sicherlich geholfen, diese Pausen besser wertzuschätzen, nicht als "leere Zeit", sondern als Boxenstopps zum Auftanken und dann die nächste Runde nehmen.


Lebenslanges Lernen heisst für mich also nicht, ständig in irgendeinem Lehrgang eingeschrieben zu sein. Es geht vielmehr um die Haltung dahinter.


Bleibe ich offen?

Interessiere ich mich für Neues?

Bin ich bereit, meine Sichtweise gelegentlich zu hinterfragen?

Das finde ich viel wichtiger als die Anzahl Zertifikate.



Setz deine Träume in Segel: schwarzes Segelboot mit Schriftzug auf weissem Hintergrund.
Auf zu neuen Ufern - lass dich nicht von anderen bremsen

Last but not least: Lernen darf Freude machen

Dieser Punkt kommt in Diskussionen über Weiterbildung manchmal etwas kurz.

Lernen darf Spass machen.

Es darf Freude machen, etwas Neues zu verstehen.

Es darf spannend sein, sich in ein Thema zu vertiefen.

Es darf auch einfach ein gutes Gefühl sein, wieder einmal Anfängerin zu sein und Fortschritte zu machen.

Bei Kindern finden wir Neugier selbstverständlich.

Bei Erwachsenen wird oft schnell nach dem Zweck gefragt.

"Was bringt dir das?"

"Was machst du nachher damit?"

"Braucht es das wirklich noch?"

Ich finde, Interesse ist bereits ein guter Grund.

Mit 45 eine neue Sprache lernen.

Mit 50 ein Studium beginnen.

Mit 55 ein digitales Tool ausprobieren.

Mit 60 ein neues Thema entdecken.

Mit 65 eine neue Sportart anfangen...


Warum nicht?


Mein Fazit

Ich möchte auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Dinge entdecken, die ich heute nicht kenne.

Für mich gehört das zum Leben dazu.

Lernen gibt mir neue Perspektiven.

Es erweitert meinen Handlungsspielraum.

Und es hält mich neugierig.

Vielleicht sollten wir Menschen, die sich mit 40, 50 oder 60 noch einmal für etwas Neues begeistern, deshalb häufiger fragen:


"Was möchtest du noch entdecken?"


Frau geht ihren Weg, auch wenn es andere verwundert - Bild ist KI-generiert - hättest du's gedacht?
Frau geht ihren Weg, auch wenn es andere verwundert - Bild ist KI-generiert - hättest du's gedacht?


Kurz gesagt


💡 Weiterbildung mit 40, 50 oder später kann vieles bedeuten:

  • neugierig bleiben

  • neue Perspektiven kennenlernen

  • bestehende Kompetenzen vertiefen

  • Wissen und Erfahrung miteinander verbinden

  • die eigene Employability stärken

  • den eigenen Handlungsspielraum erweitern

  • etwas lernen, weil es Freude macht


Nicht jede Weiterbildung braucht einen Abschluss.

Nicht jedes neue Wissen muss sich sofort auszahlen.

Viel wichtiger finde ich die Bereitschaft, offen zu bleiben und immer wieder etwas Neues zu entdecken.


Und du?

Wie ist das bei dir?

Lernst du vor allem dann etwas Neues, wenn du es beruflich brauchst?

Oder auch einfach, weil dich ein Thema interessiert?

Und wie reagieren andere, wenn du sagst, dass du noch etwas Neues lernen oder ausprobieren möchtest?


Möchtest du selbst etwas in Bewegung bringen?

Vielleicht beschäftigt dich gerade eine berufliche Veränderung, eine neue Rolle oder die Frage, was du als Nächstes lernen oder entwickeln möchtest.

Im Coaching schaffen wir Raum, um diese Fragen zu sortieren und konkrete nächste Schritte zu entwickeln.

Entdecke meine Coaching-Angebote.





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